Eine ganz neue Herausforderung

"Wir rennen rein, wenn andere rausrennen" lautet ein Slogan der Feuerwehr. Wenn es brennt, ein schwerer Unfall passiert - die Feuerwehr ist da. Tag und Nacht. Oft ist das, womit die Feuerwehrleute bei ihrer wohlgemerkt freiwilligen Arbeit konfrontiert werden, nur schwer zu verarbeiten. Dass es aber auch Spaß machen kann, Mitglied bei Feuerwehr zu sein, zeigt der "Cold Water Challenge", an dem sich auch die Freiwillige Feuerwehr Tauberbischofsheim beteiligt hat. Worum es dabei ging, erläuterten Stadtkommandant Michael Noe sowie Gruppenführer Mario Noe den FN.

"Die Idee zu dieser Aktion kam aus Amerika", so Mario Noe, der bei der Tauberbischofsheimer Wehr auch für die Ausbildung der Jugendlichen zuständig ist. Das erklärt auch den englischen Titel der Aktion, die ins Deutsche übersetzt etwas holprig "Herausforderung kaltes Wasser" heißen würde. Und so schnell, wie diese "Erfindung" aus den USA herüberschwappte, so flink verbreitete sie sich in Deutschland und ins benachbarte Ausland. Fix geht es bei der Feuerwehr eben nicht nur im Ernstfall zu.

Die "Cold Water Challenge" basiert auf virtuellen "Kettenbriefen". Darin bekommen die Feuerwehren die Aufgabe, innerhalb 48 Stunden einen möglichst witzigen Videoclip zu drehen, auf dem zu sehen ist, wie sie mit kaltem Wasser in Berührung kommen. Die Wehren nominieren sich dabei selbst untereinander. Die Tauberbischofsheimer bekamen ihre Einladung beispielsweise von der Wehr im schleswig-holsteinischen Bockhorn, der Heimat des Abteilungskommandanten Thorsten Hamann. Wer die Herausforderung nicht schafft, muss die nominierende Gruppe zu einem Grillfest einladen. Soweit kam es in Tauberbischofsheim jedoch nicht.

Die Idee war schnell geboren und in Windeseile umgesetzt. Ein Löschzug, bestehend aus acht Männern und einer Frau, machte sich in voller Montur ins Frankenbad auf. Die goldenen Helme auf den Köpfen der Neun stammen aus der Vitrine im Feuerwehrgerätehaus. "Sie wurden einst von den Altvorderen getragen", so Michael Noe. Nachdem der Eintritt bezahlt war - an der Kasse saß übrigens eine Feuerwehrfrau - ging es zum kurzen Sonnenbaden. Der einzige Liegestuhl gehörte dabei dem "Chef" Thorsten Hamann. Wie es weitergeht, soll hier jedoch nicht verraten werden. Nur soviel: Die Wassertemperatur lag an diesem Tag bei 17 Grad Celsius . . .

Die Herausforderung war also erfüllt, der Film ins Internet gestellt und flugs wurden die nächsten Wehren nominiert: die Tauberbischofsheimer luden die befreundeten Kameraden aus Höxter, Tauberbischofsheims Partnerstadt Duderstadt und Bad Mergentheim in den Wettbewerb ein. Die Bad Mergentheimer wiederum nominierten ihre Partnerwehr aus Bregenz, die "Pompiers" aus ihrer Partnerstadt Digne-les-Bains und die Kollegen in Wertheim.

Der Deutsche Feuerwehrverband begrüßt diese Aktion übrigens ausdrücklich. Dadurch würden "die Kameradschaft, das Miteinander und der generationenübergreifende Zusammenhalt in der Feuerwehr über soziale Medien auch an Menschen transportiert, die sich bislang noch nicht mit der Feuerwehr befasst haben." Allerdings seien dabei unter anderem die Unfallverhütungsvorschriften zu beachten. Daran hielt sich die Tauberbischofsheimer Wehr: "Bei unserem Einsatz gab es keine Unfallgefahr. Zudem wurden weder Steuergelder noch Material verschwendet. Und Alkohol war selbstverständlich auch nicht im Spiel", so Mario Noe.

Spende für "Paulinchen"

Wer sich sonst das ganze Jahr über für andere einsetzt und oftmals sein Leben riskiert, vergisst auch beim Spaßhaben nicht die gute Tat: Viele Wehren sammelten nämlich Geld für "Paulinchen", einer Initiative für brandverletzte Kinder. Über 3000 Euro kamen durch die "Cold Water Challenge" schon zusammen. Die Tauberbischofsheimer Wehr spendete in Anlehnung an die Notrufnummer der Feuerwehr 112 Euro.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 07.06.2014, Sabine Holroyd;

Artikellink: http://www.fnweb.de/region/main-tauber/tauberbischofsheim-konigheim-werbach/eine-ganz-neue-herausforderung-1.1735988